Zur Beziehung von Werterkenntnis und personaler Verwirklichung bei Scheler und Stein
Dr. Monika Adamczyk-Enriquez
Edith-Stein-Archiv zu Köln, Ignatianum Universität in Krakau
Zusammenfassung
Max Scheler, einer der bedeutendsten Vertreter der philosophischen Axiologie im 20. Jahrhundert, entwickelte eine grundlegende Beschreibung von Werten und ihrer Hierarchie und betonte dabei ihren idealen Charakter. Zugleich zeigte er die erkenntniserschließende Rolle des Fühlens und der personalen Akte für die Erfassung von Werten auf.
Edith Stein greift Schelers Ansatz auf, verschiebt jedoch den Akzent. Während bei Scheler die Beziehung zwischen Person und Werten primär in einer erkenntnistheoretischen Perspektive erscheint, richtet Stein den Blick stärker auf die Person selbst als Ort der Aneignung und Verwirklichung von Werten. Ihr Interesse gilt der inneren Struktur der Person, der Verantwortlichkeit sowie den Bedingungen personaler Reifung und Entwicklung. Die Teilnehmenden erhalten einen Einblick in die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Ansätze und werden eingeladen, darüber nachzudenken, wie Werte im eigenen Leben erkannt, angeeignet und verwirklicht werden können.
11.00 Uhr
Ethos – Eidos – Imagination: Wahrheit als Wiedererinnerung
Assist-Prof. Małgorzata Bogaczyk-Vormayr
Universität Posen
12.00 Uhr – Mittagspause
14.30 Uhr
Schönheit und Wahrheit – umstrittene Werte in Philosophie und Kunst
Dr. Pia Lilienstein
Universität Erlangen-Nürnberg
Zusammenfassung
Rom gilt als Geburtsstätte des Barock, jener Kunstepoche, die Schönheit dynamischer, intensiver, sinnlicher und dramatischer als je zuvor inszenierte und die die christliche Weltanschauung und Offenbarung in eindrucksvolle Kunstwerke übersetzte. Die Künstlerinnen und Künstler um 1900 brachen vehementer noch als diejenigen des 19. Jahrhunderts mit dieser Kunst- und Bildauffassung. Friedrich Nietzsche z.B. rebellierte gegen die platonische Trias des Guten, Wahren und Schönen und schrieb „Die Wahrheit ist hässlich: Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen“. Edith Stein, als Zeitgenossin der Klassischen Moderne hingegen schrieb an Roman Ingarden, dass sie es im Leben mit der Kultur und in der Kunst mit der Schönheit hielte und in beidem die Harmonie suche, also im Grunde das Ordnende, Erhabene und Transzendente.
Der moderne Zweifel am Wert der Schönheit und an der Wahrheit von Bildern wird mit den digitalen Sehgewohnheiten und dem Bildmedium der KI-generierten Bilderwelten zu einer Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig schärft sich in der Kunst das Bewusstsein für den Wert leiblicher Wahrnehmungen und ästhetischer Erfahrungen als Erkenntniszugänge. Der Rückblick in vergangene Kunstepochen und ein Vergleich von Edith Stein mit Künstlerinnen ihrer Generation könnte interessante Impuls für das aktuelle Nachdenken über diese Fragen geben.
Neben dem philosophisch-kunsthistorischen Teil soll es auch die Gelegenheit geben, gemeinsam die durch Architektur und künstlerischen Inszenierung verdichtete, ästhetisch-spirituelle Atmosphäre eines barocken Kirchenbau zu erkunden.
16.00 Uhr
Soziale Medien in einer postfaktischen Welt – Fluch oder Segen?
Prim. Dr. David Oberreiter MBA
Institut für Psychotherapie des Kepler Universitätsklinikums Linz
Ort
Festsaal im Erzbischöflichen Palais, Wollzeile 2, 1010 Wien, Österreich.
Wir bitten um Überweisung der Teilnahmegebühr auf folgendes Konto: Lautend auf: Edith Stein Gesellschaft Österreich IBAN: AT47 5400 0000 0070 3843 BIC: OBLAAT2L Verwendungszweck: Edith Stein Tagung [Mitgliedsnummer – wenn bekannt]