Edith Stein Gesellschaft Österreich und Karmeliten in Wien 23. – 24. Oktober 2026 in Wien
In Präsenz und über Livestream
Festsaal im Erzbischöflichen Palais
Wollzeile 2, 1010 Wien
Programm Edith Stein Tagung 2026
Freitag, den 23. Oktober 2026
18.00 Uhr – Hl. Messe im Stephansdom
19.30 Uhr – Begrüßung durch P. Roberto Maria Pirastu OCD, Präsident der ESGÖ
Eröffnungsvortrag: 10 Regeln für die Digitale Welt auf der Basis der 10 Gebote Prof. Dr. Sarah Spiekermann-Hoff
Institut für Informationssysteme & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien)
Zusammenfassung
In diesem Vortrag werden die von der Future Foundation in 2025 veröffentlichten „10 Regeln für die Digitale Welt“ vorgestellt sowie deren Rückbindung an die 10 Gebote. Ein besonderes Augenmerk gilt denjenigen Regeln und Aspekten der digitalen Welt, die das Tagungsthema der Wahrheit berühren: Inwieweit läuft etwa die Digitale Transformation Gefahr, in Idolatrie abzukippen? Welche Problematik ergibt sich aus der Tatsache, dass die Informatik und IT-Industrie keine wahrheitsgemäße Sprache für ihre Artefakte und vor allem für die KI verwendet? Wie wahr und verlässlich ist KI? Und wie können Unwahrheiten über Menschen und über Ereignisse zu Chaos führen? Ja, inwieweit hält uns die Digitalisierung gar davon ab, uns noch der göttlichen Wahrheit zu nähern? Dieser Vortrag gibt einen Überblick über viele aktuelle Herausforderungen der Digitalisierung und zeigt auf, wie zentral das Thema Wahrheit diesen zugrunde liegt.
Kurze Biographie
Sarah Spiekermann (1973) leitet seit 2009 das Institut für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Als Wissenschaftlerin und Autorin forscht, lehrt und schreibt sie über Digitale Ethik und Werte-basierten IT-Innovation. Nach beratenden Funktionen für die EU-Kommission leitete sie die Entwicklung des ersten globalen Standards für ethisches IT-Design (ISO/IEEE 24748-7000) (2016-2021) und prägte das sog. ‘Value-based Engineering’ (VBE), zu dem 2023 ihr gleichnamiges Lehrbuch erschien. Sarah hat über 120 Fachartikel veröffentlicht und wurde 2024 in einem Ranking der Stanford University zu den 2% weltweit am häufigsten zitierten Wissenschaftlern ihres Fachbereichs gezählt. 2024 gründete sie in Wien die VBE-Academy, die international Fachleute im Bereich ethischer KI – Innovation ausbildet und 2025 die Future Foundation. 2026 erschien ihr Buch „Ethics in the Age of AI“ (DeGruyter, 2026).
Samstag, den 24. Oktober 2026
9.30 Uhr – Zur Beziehung von Werterkenntnis und personaler Verwirklichung bei Scheler und Stein: Dr. Monika Adamczyk-Enriquez
Edith-Stein-Archiv zu Köln, Ignatianum Universität in Krakau
Zusammenfassung
Max Scheler, einer der bedeutendsten Vertreter der philosophischen Axiologie im 20. Jahrhundert, entwickelte eine grundlegende Beschreibung von Werten und ihrer Hierarchie und betonte dabei ihren idealen Charakter. Zugleich zeigte er die erkenntniserschließende Rolle des Fühlens und der personalen Akte für die Erfassung von Werten auf.
Edith Stein greift Schelers Ansatz auf, verschiebt jedoch den Akzent. Während bei Scheler die Beziehung zwischen Person und Werten primär in einer erkenntnistheoretischen Perspektive erscheint, richtet Stein den Blick stärker auf die Person selbst als Ort der Aneignung und Verwirklichung von Werten. Ihr Interesse gilt der inneren Struktur der Person, der Verantwortlichkeit sowie den Bedingungen personaler Reifung und Entwicklung. Die Teilnehmenden erhalten einen Einblick in die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Ansätze und werden eingeladen, darüber nachzudenken, wie Werte im eigenen Leben erkannt, angeeignet und verwirklicht werden können.
Mein Vortrag bietet einen Beitrag aus der Wissenschaftstheorie und Bildungsphilosophie an. Ich werde mich auf die antike (Platon, Aristoteles) und mittelalterliche (Roger Bacon) Lehre von Erkenntnis und Wissen beziehen sowie auf ihre Rezeption in den Naturwissenschaften im 20. und 21. Jahrhundert hinweisen, um schließlich diese Stellungnahmen mit dem Bildungskonzept von Edith Stein zu konfrontieren (ESGA B. 13 u. 16). Der Ausgangspunkt meines Vortrags ist eine wissenschaftliche, entmythologisierte Darlegung der Anamnese-Lehre, die ein frühes Konzept der Kognitionsforschung darstellt. Aus dieser leite ich die wesentliche Unterscheidung von „Erfinden“ und „Entdecken“ ab. Ich will aufzeigen, dass es sich beim Wissensfortschritt, bei jeder Innovation und Transformation darum handelt, eine menschliche Grunddisposition zu entfalten: die Imagination. Dabei werden jedoch Fragen nach den Grenzen des innovativen Handelns gestellt, nach der Verwirklichung des inneren Sinns des Wissens: der Wahrheit.
Kurze Biographie
Małgorzata Bogaczyk-Vormayr ist Philosophin mit Schwerpunkt Praktische Philosophie, ihre aktuellen Forschungen umfassten Themen aus der Bildungsphilosophie, Angewandten Ethik, Kunstphilosophie und Erinnerungskultur. Sie studierte Philosophie in Kattowitz, Salzburg und München, dissertierte an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau über den Platonismus in der Phänomenologie Edmund Husserls. Sie übersetzte u.a. Husserl und Stein ins Polnische. In den letzten Jahren lehrte sie an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen, an der Katholischen Pädagogischen Hochschule Edith Stein in Innsbruck, an der Universität Innsbruck und an der Akademie der Bildenden Künste in München. Aktuell hat sie eine Professur für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich inne. Seit der Gründung der ESGÖ ist sie Mitglied des wiss. Beirats.
14.30 Uhr – Soziale Medien in einer postfaktischen Welt – Fluch oder Segen?
Prim Dr. David Oberreiter MBA
Institut für Psychotherapie des Kepler Universitätsklinikums Linz
16.00 Uhr – Wahrheit – ein umstrittener Wert in Ästhetik und Kunst
Dr. Pia Lilienstein
Universität Nürnberg-Erlangen
Zusammenfassung
Als Zeitgenossin von Roman Ingarden und der kunsthistorischen Epoche der Modernen Kunst hielt Edith Stein an der klassischen Auffassung von Kunst fest, die dem Wahren, Schönen und Guten verpflichtet ist. In der Kunst setzte sich jedoch die Auffassung durch, dass die wahrheitsgetreue Abbildung und optische Übereinstimmung mit der Wirklichkeit nicht die einzigen Mittel sein sollten, um etwas Wahres auszudrücken.
Die Frage nach der Wahrheit von Bildern berührt unmittelbar die Frage nach deren Wirkung auf unser Bewusstsein.
Der moderne Zweifel am Wert der Schönheit und an der Wahrheit von Bildern wird durch digitale Sehgewohnheiten und KI-generierte Bilderwelten zur Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig schärft sich in der Kunst das Bewusstsein für den Wert leiblicher Wahrnehmungen und ästhetischer Erfahrungen als Erkenntniszugänge.
Kurze Biographie
Studium der Soziologie mit den Nebenfächern Philosophie und Germanistik an der TU Dresden unmittelbar nach der politischen Wende in Ostdeutschland, 1991-1998.
Promotion in Kunstpädagogik an der FAU Erlangen-Nürnberg und wissenschaftliche Mitarbeiterin, 2016-2026. Dissertationsschrift: Das Bild von Fremden: Fremdheitserfahrungen und implizites Wissen in assoziativ gestalteten Bildern.
Aktuell ein Lehrauftrag an der FAU, Lehrstuhl für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik und Lehrerin für Kunst und Deutsch an der Knabenrealschule Rebdorf im Bistum Eichstätt.
Vorstandsmitglied der Edith-Stein-Gesellschaft Deutschland sowie Mitglied der Edith-Stein-Gesellschaft Österreich.
Teilnahme vor Ort: Wenn Sie persönlich an der Tagung teilnehmen, können Sie die Tagungsgebühr direkt an der Kassa in bar bezahlen.
Banküberweisung (bis einschließlich 19. Oktober 2026): Bitte überweisen Sie die Tagungsgebühr auf unser Bankkonto:
Lautend auf: Edith Stein Gesellschaft Österreich
IBAN: AT47 5400 0000 0070 3843
BIC: OBLAAT2L
Verwendungszweck: Edith Stein Tagung
PayPal.: Wenn Sie die Tagungsgebühr am 20. Oktober oder später bezahlen möchten oder falls die Bankgebühren für eine Überweisung nach Österreich zu hoch sind, nutzen Sie bitte PayPal.
Überweisungen aus der Schweiz und anderen Nicht-EU-Ländern: Für Überweisungen aus der Schweiz oder anderen Nicht-EU-Ländern empfehlen wir den kostengünstigen Überweisungsdienst Wise.
Die Edith Stein Gesellschaft Österreich (ESGÖ) wurde am 5. Oktober 2012 gegründet und setzt sich zum Ziel, die Erinnerung an Edith Stein (Sr. Teresia Benedicta a Cruce OCD) als Frau, Philosophin, Tochter des jüdischen Volkes, Christin, Karmelitin, und ihre Verehrung als Heilige und Mitpatronin Europas zu wecken, wachzuhalten und zu vertiefen, sowie ihr philosophisches, pädagogisches und spirituelles Erbe zu erschließen und dieses in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.